7. impuls – ankunft

wenn einer, der den ganzen tag gelaufen, am abend ankommt, so ist’s genug.

francesco petrarca

das thema ankunft beschäftigt mich auf verschiedenen ebenen. deshalb ist das ein neuer impuls für meine sammelstelle.
ich bin wieder gespannt auf eure momente…

gespiegelt

das gesicht
im glas kann sie
erinnern jeden tag
zurückgekehrt
in ihre höhle
nach dem tagwerk
das gesicht
im glas scheint
zu leben bei jedem
augenblick den
sie ihm widmet
geht sie vorbei
geht auch ihre
erinnerung
an das leben
das dem gesicht
einst gehörte

6. impuls – nacht

heute habe ich auf ein zitat aus einem der bücher arno schmidts zurückgegriffen. ich mag seine bildhafte und direkte sprache sehr.
hier ist nun das zitat:

…ein fernes motorrad stürzte plärrend seinem lichtfleck nach.
arno schmidt, die umsiedler

welche momente habt ihr dabei vor augen, was erinnert ihr?

ich bin gespannt…

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ein abschied

lange noch
stand sie dort
im türrahmen
der arm gesunken
mit dem tuch
versperrrte
dem licht den
austritt ins dunkel
stand gegen
die kälte die
sie anfiel aus
der schwärze
und lauschte
längst war
die verbindung
zerstört war
gewesenes vom
sternlosen schwarz
verschlungen
als sie endlich
fröstelnd die
tür schloss
saugte ihr tuch
im gras schon
am eisigen
morgentau

5. impuls – stunde

der letzte impuls ist noch immer sehr verwaist. offenbar hatte ich mit dem thema keine momente bei euch wecken können.
bevor im november der #lyrimo wieder übernimmt, stellen wir aber erst einmal noch die uhrzeit um. eine stunde wird uns, gut gesommert, nun wieder zurückgegeben.
und das bringt mich zum impuls
stunde
welche gedanken treiben euch um? was verbindet ihr mit stunden, jahren, momenten, der zeit überhaupt?
hinterlasst sie gern in den kommentaren. ich freue mich darauf!

zeit

ich sitze am flusse
und höre sein rauschen
wellen schieben vorüber
ich mag ewig lauschen

wellen schieben vorüber
tragen blätter, sehr bunt
und erinnerung wächst
mancher früheren stund

und erinnerung wächst
mehrt sich täglich aufs neu
was vorübergeschwommen
fließt nicht nochmal herbei

was vorübergeschwommen
wird zur vergangenheit
schau dem flusse entgegen
sehe kommende zeit

schau dem flusse entgegen
wieviel davon mir bleibt
weiß ich, während ich schaue
wieviel schnöde vertreibt?

weiß nur, während ich schaue
und die wellen sich falten
den moment zu genießen
denn er lässt sich nicht halten

4. impuls – bewegt

heute habe ich für euch ein musikstück ausgesucht, die mich sehr bewegt. daher kommt auch mein impulstitel.

eigentlich geht es um medientransfer

hier hört ihr die ouvertüre h-moll op. 26 „die hebriden“ von felix mendelssohn bartholdy.

was bewegt euch beim hören? schreibt eure momente gern in die kommentare. ich freue mich schon auf eure poetischen momente.

staffa

weit oben
sind die wolken
am nächsten
die der
unbändige wind
stetig treibt
wie die see
weit unten
wieder und wieder
weißgischtig am
basalt leckt
überhaupt
der wind reißt
an allem reißt
die zitternden
blättchen des
winzigen grüns
reißt ein loch
ins grau drin sich
wie fahles dotter
sonnenlicht ergießt
reißt das hell
wieder heraus aus
tiefem himmel
reißt die puffins
vom fels weit hinaus
futter zu suchen
der blick folgt
den horizont suchend
in vergeblichkeit
einzig gewiss der
feste stand auf basalt
geschliffen vom wind
poliert von der see
tausenden zungen
vom grau umhüllt
vom fahlen licht
übergossen in
äußerungen von
ursprung und
kraft

3. impuls – psychopompöse predigten*

ab und zu schaue ich im begriffsstudio von monika rinck vorbei und ergötze mich an den originellen, skurrilen, zuweilen sperrigen, stets aber denkanschiebenden begriffen in ihrer sammlung.

dieses mal fand ich

3066    psychopompöse predigten.

nun ratterts im denkapparat…

kalenderweisheit

sei du selbst
wer sagt dir das
und was ist
sein grund
für wen
hält er dich
für wen
hält er sich
was weiß er
von dem du
nichts ahnst
wie will er
dich haben
sei du selbst
rät er dir
wer warst du
denn bisher
sei du selbst
wenn du seinem
rat folgst
erschrick nicht
wenn du dich
triffst